10 Fakten zur Selbstwirksamkeit in MINT
Wie Kinder und Jugendliche lernen, sich etwas zuzutrauen
Ob Fachunterricht, Robotik-AG, Coding-Workshop oder Makerspace: Schulische und außerschulische MINT-Angebote können Kindern und Jugendlichen viel mehr vermitteln als Fachwissen. Sie können das Gefühl stärken: „Ich kann das schaffen.“ Genau darum geht es bei Selbstwirksamkeit. Forschung zeigt: Jugendliche engagieren sich stärker, lernen motivierter und treffen mutigere Bildungsentscheidungen, wenn sie an die eigenen Fähigkeiten glauben. Gerade im MINT-Bereich spielt das eine große Rolle.
Hier sind 10 kompakte Fakten aus der Bildungsforschung – aufbereitet von unserem Schwesterprojekt MesH_MINT – mit Ideen, wie Ihr Selbstwirksamkeit in MINT-Angeboten fördern könnt.
1. Selbstwirksamkeit basiert auf Selbsteinschätzung
Selbstwirksamkeit beschreibt, wie jemand seine eigene Fähigkeit in Bezug auf eine Aufgabe einschätzt. Es ist die innere Überzeugung, selbst schwierige Projekte erfolgreich bewältigen zu können.1 Im MINT-Bereich heißt das zum Beispiel: „Ich kann programmieren lernen.“ oder „Ich bekomme dieses Experiment hin.“
Dabei geht es nicht darum, perfekt zu sein, sondern Herausforderungen aktiv anzugehen.
Tipp:
Gebt Kindern und Jugendlichen Aufgaben mit sichtbaren Erfolgserlebnissen – etwa kleine Bauprojekte, einfache Programmier-Challenges oder Experimente mit schnellem Ergebnis. Schon kleine Erfolgserlebnisse stärken ihr Gefühl von Selbstwirksamkeit.
2. Selbstwirksamkeit entsteht nicht von allein
Es gibt verschiedene Faktoren, die für die Entwicklung von Selbstwirksamkeit entscheidend sind. Besonders relevant sind eigene Erfahrungen und Erfolgserlebnisse, aber auch das Beobachten von Vorbildern, positives Feedback und der Austausch über Unsicherheiten oder Frust sind wichtig. Wer merkt, dass Fehler normal sind und Fortschritte möglich bleiben, entwickelt langfristig mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.2
3. Kompetenz ist nicht gleich Selbstwirksamkeit
Kinder und Jugendliche, die an ihre Fähigkeiten glauben, zeigen oft mehr Motivation, Ausdauer und bessere Leistungen.2 Allerdings sind die eigenen Leistungen nur bedingt ein Indikator für Selbstwirksamkeit. Mädchen zeigen in MINT oft bessere Leistungen als Jungen und haben trotzdem eine niedrigere Selbstwirksamkeit – vertrauen also weniger auf ihre eigenen Kompetenzen.3
4. Selbstwirksamkeit beeinflusst Bildungsentscheidungen
Jugendliche wählen häufiger MINT-Kurse oder technische Berufe, wenn sie sich diese Bereiche selbst zutrauen. Fehlt dieses Vertrauen, werden Möglichkeiten oft früh ausgeschlossen – selbst bei guten Leistungen.2 Das betrifft besonders Jugendliche, die in MINT-Fächern seltener repräsentiert sind.4
Tipp:
Zeigt vielfältige Vorbilder in Euren Angeboten: junge Wissenschaftler:innen, Programmierer:innen oder Techniker:innen mit unterschiedlichen Lebenswegen und Hintergründen. Das motiviert Kinder aus unterschiedlichen Kontexten und stärkt ihr Gefühl von Selbstwirksamkeit.
5. Die Vergleichsgruppe ist ein wichtiger Faktor
Treffen viele MINT-Interessierte aufeinander, wirkt sich das negativ auf die Selbstwirksamkeit aus, weil sich der Vergleichsmaßstab ändert. Ein Beispiel: die Mathe-AG, in der sich die Schüler:innen treffen, die besonders gut in dem Fach sind. Anstatt die schlauste Person im Raum zu sein, ist man plötzlich nur noch eine von vielen („Big-Fish-Little-Pond“-Effekt). Der Effekt zeigt sich bei Mädchen und Jungen gleichermaßen.5
6. Gleichberechtigung führt nicht zu geringeren Geschlechterunterschieden
Überraschend: In Ländern mit stärkerer Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen (z. B. Schweden oder Finnland) ist der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen in ihrer Selbstwirksamkeit größer als in Ländern, die bei dem Thema noch Nachholbedarf haben.6 Gleichberechtigung auf gesellschaftlicher Ebene führt also nicht automatisch zu Geschlechtergerechtigkeit beim Zutrauen in eigene MINT- Kompetenzen.7
7. Selbstwirksamkeit lässt sich gezielt fördern
Die gute Nachricht: Selbstwirksamkeit ist nicht festgelegt. Pädagogische Maßnahmen können sie deutlich stärken, beispielsweise positives Feedback und das Feiern von Fortschritten.2 Allerdings ist Vorsicht geboten: Zu überschwängliches Lob von Lehrkräften kann dazu führen, dass die Selbstwirksamkeit bei anspruchsvolleren Aufgaben einbricht. Das Vertrauen in das eigene „Talent“ reicht dann nicht mehr aus.8
Tipp:
Zelebriert kleine Erfolge und das Erreichen von Etappenzielen bewusst, aber angemessen. Ein funktionierender Roboterarm oder ein gelöstes Coding-Problem kann ein echter Motivationsschub sein.
8. Pädagog:innen spielen eine Schlüsselrolle
Die Haltung von Lehrkräften und Betreuenden wirkt sich stark auf Kinder und Jugendliche aus.9 Wer selbst begeistert und zuversichtlich auftritt, schafft eine motivierendere Lernumgebung. Das führt oft zu besseren MINT-Erfahrungen, die die Selbstwirksamkeit positiv beeinflussen.4,10 Umgekehrt kann es sein, dass eine Lehrkraft, die selbst unter latenter Mathe-Angst leidet, die Selbstwirksamkeit vor allem bei Mädchen senken kann, wenn sie versucht, ihnen MINT-Inhalte möglichst schonend beizubringen. Auf Jungen hat das meist keinen Einfluss.11
Tipp:
Reflektiert Eure eigene Rolle und Eure Kompetenzen als Lehrende kritisch und seid Euch bewusst, welchen Einfluss Eure Einstellungen und Signale auf Kinder und Jugendliche hat.
9. Die MINT-Selbstwirksamkeit hängt auch von anderen Fächern ab
Die Selbstwirksamkeit in MINT hängt nicht nur von den MINT-Noten ab, sondern auch von den Leistungen in anderen Fächern. Auch hier kommt es auf den Vergleichsmaßstab an. Wer in MINT-Fächern besser abschneidet als in anderen Disziplinen, entwickelt eine höhere Selbstwirksamkeit in MINT. Beispiel: Eine 1 in Deutsch und eine 2 in Mathe kann dazu führen, dass die MINT-Selbstwirksamkeit sinkt. Bei einer 4 in Deutsch und einer 2 in Mathe steigt sie dagegen.12
10. Kreative Selbstwirksamkeit wird im MINT-Bereich immer wichtiger
MINT bedeutet längst nicht nur Formeln kennen und Regeln befolgen. Kreativität spielt eine zentrale Rolle – etwa beim Entwickeln neuer Lösungen oder beim Design technischer Produkte. Kreative Selbstwirksamkeit beschreibt das Vertrauen, einzigartige Ideen zu entwickeln und Probleme originell lösen zu können. Auch das fördert nachweislich die Selbstwirksamkeit.13
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