1: Kooperation beginnt mit gegenseitiger Wertschätzung

Lesedauer: ca. 4 min
Zwei Frauen schütteln sich die Hand.
Violeta Stoimenova

Dieser Beitrag wurde als Kooperation mit MesH_MINT erstellt.

Gelingensbedingung 1: Gemeinsame Anerkennung der Bedeutung der Kooperation

Viele außerschulische Bildungsanbieter:innen investieren viel Energie in die Entwicklung innovativer Programme, spannender Workshops oder inspirierender Lernorte. Dennoch bleibt die erhoffte Wirkung häufig hinter den Erwartungen beider Kooperationspartner:innen zurück. Der Grund liegt oft nicht in der Qualität des Angebots, sondern darin, dass Schulen und außerschulischer Partner:innen unterschiedliche Vorstellungen von Zusammenarbeit haben.

Die Studie von Fallik und Kolleg:innen (2013)1 zeigt, dass erfolgreiche Kooperationen immer mit einer grundlegenden Voraussetzung beginnen: Beide Seiten müssen den Wert der Zusammenarbeit erkennen und aktiv unterstützen. Die Forschenden beschreiben dies als erstes und wichtigstes „Bridging Principle“. Erst wenn schulische und außerschulische Akteur:innen die Kooperation als gemeinsamen Bildungsauftrag begreifen, entstehen nachhaltige Verbindungen zwischen den Lernorten.

Was zeigt die Forschung?

Die Autor:innen verweisen auf zahlreiche Beispiele, in denen Lernpotenziale erst durch eine bewusste Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Kooperationspartner:innen sichtbar wurden. Besonders eindrücklich ist das in der Studie beschriebene Beispiel von einem Schüler der siebten Klasse, der bereits sitzengeblieben war, sich kaum am Unterricht beteiligte und nur wenige Erfolgserlebnisse in der Schule hatte. In einem außerschulischen Bildungsangebot entdeckte eine pädagogische Fachkraft sein besonderes Talent für das Malen und ermutigte ihn zur Teilnahme an einem Museumsprogramm. Dort erhielt er Anerkennung und positive Rückmeldungen für seine künstlerischen Fähigkeiten. Entscheidend war, dass diese Beobachtungen mit der Lehrkraft der Schule geteilt wurden und diese daraufhin dem Schüler die Möglichkeit gab, seine Stärken im Unterricht einzubringen und eine kreative Unterrichtsaktivität zu gestalten. Die positiven Erfahrungen stärkten sein Selbstvertrauen und wirkten sich schließlich auch positiv auf seine schulische Entwicklung aus. Ohne diese Zusammenarbeit wäre das künstlerische Talent des Schülers vermutlich unentdeckt geblieben und hätte keine positive Wirkung auf seine schulische Entwicklung entfalten können. 

Die Untersuchung macht zudem deutlich: Kooperationen scheitern häufig nicht an fehlenden Ressourcen, sondern an fehlender gegenseitiger Wertschätzung. Wenn außerschulische Bildung lediglich als „zusätzliches Angebot“ und nicht als gleichwertiger Bildungsort verstanden wird, bleiben ihre Potenziale ungenutzt.

3 Kooperationsbedingungen als Pyramide dargestellt
Die Kooperationspyramide | MINTvernetzt

Handlungsempfehlungen für außerschulische Bildungsanbieter:innen

  • Die eigene Bildungswirkung sichtbar machen

Schulen kennen häufig nicht die konkreten Bildungsbeiträge außerschulischer Angebote. Dokumentiert Lernerfolge, Kompetenzerwerb und Beispiele gelungener Bildungsbiografien.

  • Nicht mit Angeboten, sondern mit Bildungszielen argumentieren

Statt „Wir bieten einen Workshop an“ besser: „Gemeinsam können wir Kreativität, Selbstwirksamkeit oder naturwissenschaftliches Interesse fördern.“

  • Schulen als Partner auf Augenhöhe ansprechen

Fragt Schulen nach ihren Bedarfen und entwickelt daraus gemeinsam passgenaue Formate.

  • Zeit für Beziehungsarbeit einplanen

Gemeinsame Gespräche, Hospitationen und informelle Treffen sind keine Nebensache, sondern die Grundlage gelingender Zusammenarbeit.

Fazit

Erfolgreiche Kooperationen beginnen lange vor dem ersten gemeinsamen Projekt. Sie entstehen dort, wo Schule und außerschulischer Partner sich gegenseitig als wichtige Bildungsakteure anerkennen. Diese gemeinsame Haltung ist der Ausgangspunkt für alles Weitere.

[1] Fallik, O., Rosenfeld, S., & Eylon, B. S. (2013). School and out-of-school science: A model for bridging the gap. Studies in Science Education, 49(1), 69–91. https://doi.org/10.1080/03057267.2013.822166.
 
[2] Contini, H., Rosenfeld, S., Moore, M., & Movshovitz-Hadar, N. (2004). Bridging school science with museum science: Learning about energy. In Proceedings of the National Association for Research in Science Teaching Annual Conference, Vancouver, Canada.
 
[3] Orion, N., & Hofstein, A. (1994). Factors that influence learning during a scientific field trip in a natural environment. Journal of Research in Science Teaching, 31(10), 1097–1119. https://doi.org/10.1002/tea.3660311005.
 
[4] Noam, G. G. (2003). Learning with excitement: Bridging school and after‐school worlds and project‐based learning. New Directions for Youth Development, 2003(97), 121–138. https://doi.org/10.1002/yd.39.
 
[5] Tunnicliffe, S. D., Lucas, A. M., & Osborne, J. (1997). School visits to zoos and museums: a missed educational opportunity?. International Journal of Science Education, 19(9), 1039–1056. https://doi.org/10.1080/0950069970190904.

 

Ansprechpartnerin

Portrait einer Frau

Franziska Scholz, MesH_MINT

MINT-Transfer

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