2: Je mehr Einblick, desto mehr Wirkung
Dieser Beitrag wurde als Kooperation mit MesH_MINT erstellt.
Gelingensbedingung 2: Gegenseitige Kenntnis der Bildungsinhalte und Lernziele
Viele außerschulische Einrichtungen kennen die Bedürfnisse ihrer Zielgruppen hervorragend. Was häufig fehlt, sind die spezifischen Kenntnisse der schulischen Rahmenbedingungen. Genau hier liegt jedoch ein wichtiger Schlüssel erfolgreicher Kooperationen.
Fallik und Kolleg:innen (2013)1 identifizieren die gegenseitige Kenntnis der jeweiligen Curricula, Ziele und Arbeitsweisen als zweite zentrale Gelingensbedingung. Schulen und außerschulische Partner:innen müssen verstehen, was auf der jeweils anderen Seite passiert, um Lernprozesse sinnvoll miteinander zu verbinden.
Was zeigt die Forschung?
In einer Untersuchung2 behandelten Schüler:innen einer fünften Klasse das Thema Energie gleichzeitig in der Schule und in einem Wissenschaftsmuseum. Dabei zeigte sich, dass die beiden Lernorte unterschiedliche Schwerpunkte setzten: Im Unterricht standen vor allem gesellschaftliche Aspekte der Energieversorgung im Mittelpunkt, während das Museum naturwissenschaftliche Konzepte wie Energiequellen und Energieumwandlungen behandelte. Die Forschenden entwickelten daher gezielte Brückenaktivitäten, die den Schüler:innen halfen, die Inhalte aus beiden Lernorten miteinander zu verknüpfen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Lernenden dadurch ein tieferes Verständnis des Energiekonzepts entwickelten.
Die Forschenden stellten fest, dass viele Museumspädagog:innen die schulischen Anforderungen kaum kennen, während Lehrkräfte oft wenig über die Möglichkeiten außerschulischer Lernorte wissen. Dadurch bleiben wertvolle Synergien ungenutzt.
Das Beispiel macht deutlich, dass erfolgreiche Kooperationen nicht allein dadurch entstehen, dass Schule und außerschulische Lernorte ähnliche Themen behandeln. Erst wenn beide Seiten die Ziele, Inhalte und Arbeitsweisen des Partners kennen, können sie Lernangebote so aufeinander abstimmen, dass für die Schüler:innen ein zusammenhängender Bildungsprozess entsteht.
Handlungsempfehlungen für außerschulische Bildungsanbieter:innen
- Lehrpläne aktiv kennenlernen
Schaut Euch die öffentlich zugänglichen Lehrpläne an und fragt an der Schule nach schulinternen Curricula oder Fachkonzepten.
- Lehrkräfte in die Angebotsentwicklung einbeziehen
Angebote werden attraktiver, wenn sie direkt an Unterrichtsthemen anschließen. Diskutiert Eure Ideen mit der Lehrkraft.
- Hospitationen organisieren
Gerade bei langfristig geplanten Kooperationen: Ein Unterrichtsbesuch vermittelt oft mehr Verständnis als viele Gespräche.
- Gemeinsame Lernziele formulieren
Stellt die Schüler:innen ins Zentrum Eurer Überlegungen: „Welches Lernziel (für die Schüler:innen) verfolgen wir gemeinsam?“
Fazit
Eine Kooperation kann nur dann Wirkung entfalten, wenn beide Seiten wissen, was die jeweils andere Seite tut. Gegenseitiges Verständnis schafft die Grundlage für eine besser verzahnte Bildung und echte Lerneffekte.
[1] Fallik, O., Rosenfeld, S., & Eylon, B. S. (2013). School and out-of-school science: A model for bridging the gap. Studies in Science Education, 49(1), 69–91. https://doi.org/10.1080/03057267.2013.822166.
[2] Contini, H., Rosenfeld, S., Moore, M., & Movshovitz-Hadar, N. (2004). Bridging school science with museum science: Learning about energy. In Proceedings of the National Association for Research in Science Teaching Annual Conference, Vancouver, Canada.
[3] Orion, N., & Hofstein, A. (1994). Factors that influence learning during a scientific field trip in a natural environment. Journal of Research in Science Teaching, 31(10), 1097–1119. https://doi.org/10.1002/tea.3660311005.
[4] Noam, G. G. (2003). Learning with excitement: Bridging school and after‐school worlds and project‐based learning. New Directions for Youth Development, 2003(97), 121–138. https://doi.org/10.1002/yd.39.
[5] Tunnicliffe, S. D., Lucas, A. M., & Osborne, J. (1997). School visits to zoos and museums: a missed educational opportunity?. International Journal of Science Education, 19(9), 1039–1056. https://doi.org/10.1080/0950069970190904.
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