3: Gute Vorbereitung schafft bessere Lernerfahrungen

Lesedauer: ca. 3 min
Eine Gruppe Jugendlicher schaut auf ein Papierschiff in einem Kontainer.
Andi Weiland

Dieser Beitrag wurde als Kooperation mit MesH_MINT erstellt.

Gelingensbedingung 3: Gezielte Vorbereitung der Lernenden auf die neue Lernumgebung

Viele außerschulische Bildungsanbieter:innen kennen die Situation: Eine Schulklasse kommt zum ersten Mal in die Einrichtung und ist zunächst mit Orientierung, Aufregung und neuen Eindrücken beschäftigt. Lernen wird dadurch erschwert.

Die Studie von Fallik und Kolleg:innen (2013)1 greift hierfür das Konzept des „Novelty Space“ auf. Gemeint ist die Gesamtheit neuer Erfahrungen, die Lernende bei einem Ortswechsel bewältigen müssen. Je größer diese Neuartigkeit, desto weniger Aufmerksamkeit bleibt für die eigentlichen Lerninhalte.

Was zeigt die Forschung?

Ein Beispiel stammt aus einer Studie von Orion und Hofstein (1994)3 zu geologischen Exkursionen. Die Forschenden zeigten, dass Schüler:innen deutlich erfolgreicher lernen, wenn sie bereits vor dem Besuch eines außerschulischen Lernorts gezielt vorbereitet werden. Die Vorbereitung erfolgte in drei Bereichen.

  • Fachliche Orientierung: Die Lernenden bearbeiteten bereits vor der Exkursion zentrale fachliche Inhalte und praktische Aufgaben, die sie später vor Ort anwenden sollten.
  • Räumliche Orientierung: Der Lernort wurde vorab mit Hilfe von Karten, Fotos und Videomaterial vorgestellt, so dass die Schüler:innen eine Vorstellung von der Umgebung entwickeln konnten.
  • Psychologische Orientierung: Die Lehrkräfte erläuterten den Ablauf der Exkursion, die Dauer der einzelnen Aktivitäten sowie die Erwartungen an die Teilnehmenden, um Unsicherheiten und Aufregung zu reduzieren.

Die Ergebnisse zeigten, dass die vorbereiteten Schüler:innen nicht nur bessere Lernergebnisse erzielten, sondern den Besuch des außerschulischen Lernorts auch positiver erlebten als Vergleichsgruppen ohne diese Vorbereitung. Für schulisch-außerschulische Kooperationen macht die Studie damit deutlich, wie wichtig es ist, Lernende fachlich, organisatorisch und emotional auf neue Lernumgebungen vorzubereiten.

3 Kriterien für Erfolgreiches Lernen als verbundenes Dreieck dargestellt.
„Novelty Space“ | Eigene Darstellung nach Orion & Hofstein (1994)3

Handlungsempfehlungen für außerschulische Bildungsanbieter:innen

  • Vorab-Materialien bereitstellen

Kurze Videos, Arbeitsblätter oder virtuelle Rundgänge helfen bei der Vorbereitung.

  • Transparenz schaffen

Teilt Lehrkräften frühzeitig Ablaufpläne und Lernziele mit.

  • Den Einstieg ritualisieren

Ein klar strukturierter Auftakt reduziert Unsicherheit.

  • Lehrkräfte als Vorbereitungspartner:innen gewinnen

Die beste Wirkung entsteht, wenn Vor- und Nachbereitung Teil des Unterrichts werden.

Fazit

Lernen beginnt nicht erst am Veranstaltungstag. Wer Schüler:innen gezielt auf neue Lernorte vorbereitet, schafft bessere Voraussetzungen für Aufmerksamkeit, Motivation und nachhaltiges Lernen.

[1] Fallik, O., Rosenfeld, S., & Eylon, B. S. (2013). School and out-of-school science: A model for bridging the gap. Studies in Science Education, 49(1), 69–91. https://doi.org/10.1080/03057267.2013.822166.
 
[2] Contini, H., Rosenfeld, S., Moore, M., & Movshovitz-Hadar, N. (2004). Bridging school science with museum science: Learning about energy. In Proceedings of the National Association for Research in Science Teaching Annual Conference, Vancouver, Canada.
 
[3] Orion, N., & Hofstein, A. (1994). Factors that influence learning during a scientific field trip in a natural environment. Journal of Research in Science Teaching, 31(10), 1097–1119. https://doi.org/10.1002/tea.3660311005.
 
[4] Noam, G. G. (2003). Learning with excitement: Bridging school and after‐school worlds and project‐based learning. New Directions for Youth Development, 2003(97), 121–138. https://doi.org/10.1002/yd.39.
 
[5] Tunnicliffe, S. D., Lucas, A. M., & Osborne, J. (1997). School visits to zoos and museums: a missed educational opportunity?. International Journal of Science Education, 19(9), 1039–1056. https://doi.org/10.1080/0950069970190904.

Ansprechpartnerin

Portrait einer Frau

Franziska Scholz, MesH_MINT

MINT-Transfer

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