Was ist eigentlich MesH_MINT?

Prof. Dr. Heidrun Stöger erklärt, wie Forschungsergebnisse zur MINT-Bildung durch MesH_MINT in die Praxis kommen

22. Oktober 2025 Lesedauer: ca. 4 min
Didaktik
Lexikon
MesH
Transfer

Viele gute Forschungsergebnisse zur MINT-Bildung bleiben dort, wo sie entstanden sind – in der Wissenschaft. MesH_MINT will das ändern: Das Projekt bringt Wissen aus der Forschung in die Praxis und entwickelt daraus Formate, von denen Lehrkräfte, Ausbilder:innen und weitere MINT-Akteur:innen direkt profitieren können. Wie das funktioniert – und wie man sich beteiligen kann –, erklärt Prof. Dr. Heidrun Stöger von der Universität Regensburg.

1. Was ist MesH_MINT?

MesH_MINT steht für Metavorhaben zu strategischen Handlungsfeldern der MINT- Förderung. Im Kern geht es bei MesH_MINT darum, ein zentrales Problem der deutschen MINT-Förderung zu lösen: Forschungsergebnisse liegen zwar vor, erreichen die Praxisakteur:innen aber oft nicht in einer nutzbaren Form. MesH_MINT bündelt deshalb vorhandenes Wissen, ergänzt es bei „weißen Flecken“ durch eigene Forschung und bereitet es so auf, dass MINT-Akteur:innen es direkt nutzen können. Wir analysieren die Forschung zu drei Handlungsfeldern: MINT-Bildungsforschung, MINT-Bildungspraxis und die Arbeit von MINT-Akteur:innen. Im Fokus stehen dabei immer Fragen nach Effektivität, Nachhaltigkeit, Diversität und Chancengleichheit.

2. Warum braucht es so ein Metavorhaben in der MINT-Förderung?

Die Fachkräftelücke im MINT-Bereich ist groß, gleichzeitig stagnieren die Erfolge vieler Fördermaßnahmen. Ein Grund dafür ist das viel zitierte Theorie-Praxis-Problem: Forschungsergebnisse bleiben oft im wissenschaftlichen Diskurs hängen und erreichen MINT-Akteur:innen gar nicht oder nicht rechtzeitig. MesH_MINT übernimmt hier eine strategische Scharnierfunktion. Bei MesH_MINT werden Forschungsergebnisse systematisch gesichtet, bewertet und so aufbereitet, dass sie für Praktiker:innen verständlich, zugänglich und direkt nutzbar sind. Gleichzeitig geben wir Forschungsdesiderata – also offene Fragen – an die Wissenschaft zurück und zeigen so auf, wo Forschungsbedarf besteht.

3. Was unterscheidet MesH_MINT von anderen MINT-Projekten?

MesH_MINT macht keine direkten Bildungsangebote für Kinder oder Jugendliche. Stattdessen ist es ein reines Forschungs- und Transferprojekt. Das Besondere ist die Kombination aus Forschungstransfer, Praxisnähe und Netzwerkbildung. Drei Teams arbeiten dafür eng zusammen: An der Universität Regensburg und der FAU Erlangen-Nürnberg werden Forschungsergebnisse systematisch aufbereitet und es werden Treffen mit internationalen Wissenschaftler:innen vorbereitet, in denen jährliche Schwerpunktthemen diskutiert werden. Der Stifterverband bringt die Ergebnisse anschließend in die Praxis. Alle drei Institutionen entwickeln gemeinsam Formate, mit denen Forschungserkenntnisse verständlich, praxistauglich und gut zugänglich werden. So stellen wir sicher, dass Forschung, Praxis und Bildungspolitik nicht nebeneinanderstehen, sondern gezielt miteinander verbunden werden.

Damit schafft MesH_MINT nicht noch ein Projekt „neben den anderen“, sondern erhöht die Wirkung der gesamten MINT-Landschaft.

4. Wie kommen die Ergebnisse der Bildungsforschung in die Praxis – und wer profitiert konkret davon?

Das passiert in sich wiederholenden Projektphasen:

  1. Aufbereitung – Sichtung und Bündelung relevanter Forschung.
  2. Dialog – Austausch mit internationalen Forscher:innen und nationalen Praktiker:innen im Rahmen von Workshops, Fokusgruppen und Expert:innentreffen.
  3. Transfer – Entwicklung praxisgerechter Transferformate und Materialien.

Daraus entstehen u. a. Praxisleitfäden, Themendossiers, Videos, Podcasts oder Social-Media-Formate. Partner wie MINTvernetzt tragen diese in die Community. Zielgruppen sind verschiedene Akteursgruppen, z. B. Lehrende an außerschulischen Lernorten, MINT-Lehrkräfte, Weiterbildner:innen, Bildungsverantwortliche in Verbänden, Stiftungen und Behörden.

5. Kannst Du ein Beispiel geben, wie MesH_MINT bisher schon Einfluss auf die Praxis hatte?

Ein Beispiel ist das Format 10 Fakten. Darin fassen wir evidenzbasiert zentrale Befunde zu relevanten Themen zusammen wie beispielsweise Talententwicklung, Mathematikangst oder dem Einfluss von Eltern auf die MINT-Bildung. Solche kompakt aufbereiteten Materialien nutzt die MINT-Community bereits, um Programme gezielt weiterzuentwickeln. Auch unsere internationalen Expert:innentreffen und die daraus resultierenden Special Issues beeinflussen unmittelbar die Forschung und Praxis in Deutschland.

6. Was wünscht Ihr Euch von der MINT-Community – wie kann man sich bei MesH_MINT einbringen?

Wir wünschen uns eine aktive Beteiligung: Die MINT-Community kann in Workshops und Fokusgruppen ihre Praxisfragen einbringen, Rückmeldungen zu unseren Transfermaterialien geben und Ergebnisse in ihren Netzwerken verbreiten. Über MINTvernetzt gibt es zahlreiche Kanäle wie die Veranstaltungsformate, die Social-Media-Kanäle oder die Service-Hotline, um sich einzubringen. So wird aus MesH_MINT kein reines Forschungsprojekt, sondern ein lebendiger Dialogprozess. Denn wir können die MINT-Bildung nur weiterentwickeln, wenn Forschung und Praxis gemeinsam daran arbeiten.

Wer ist Prof. Dr. Heidrun Stöger?

Prof. Dr. Heidrun Stöger ist Inhaberin des Lehrstuhls für Schulpädagogik an der Universität Regensburg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen MINT-Förderung, insbesondere für Mädchen und Frauen, Online-Mentoring, selbstreguliertes Lernen und Talentförderung. Sie leitet mehrere durch Drittmittel finanzierte Forschungsprojekte, darunter MesH_MINT, FösaMINT und CyberMentor. Im Projekt MINTvernetzt ist sie Mitglied des Strategiekreises und verantwortet mit ihrem Team das Teilvorhaben „MINT-Förderung für Mädchen und Frauen“.

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