Ich kann Mathe!
Wie das eigene Selbstbild Mädchen in MINT prägt
Ob Mädchen Mathematik langfristig für sich entdecken, hängt stark von ihrer mathematischen Identität ab, also ob sie sich selbst als “Person, die Mathe kann” wahrnehmen. Diesen Zusammenhang hat eine Studie von Fernandez et al. (2024) untersucht. Ziel war es, besser zu verstehen, wie mathematische Identität mit Beteiligung, Interesse und Erfolg von Mädchen in Mathematik zusammenhängt
Die Forschenden analysierten 76 Studien zur mathematischen Identität von Mädchen und jungen Frauen. Im Mittelpunkt standen drei zentrale Fragen:
- der Zusammenhang zwischen Identität und Engagement,
- die Einflüsse von Elternhaus, Schule und Peers auf die Identität sowie
- Strategien zur Förderung eines starken mathematischen Selbstbildes.
Die Ergebnisse zeigen: Wer sich stark mit Mathematik identifiziert, ist motivierter, erzielt bessere Ergebnisse und bleibt mit größerer Wahrscheinlichkeit dauerhaft in den MINT-Fächern aktiv. Einfluss auf die Matheidentität haben dabei unter anderem elterliche Erwartungen, schulische Rahmenbedingungen, Peers und gesellschaftliche Narrative. Mädchen, die mehrfach marginalisiert sind – etwa zusätzlich zum Geschlecht durch Herkunft oder sozioökonomischen Status –, stehen dabei vor besonderen Herausforderungen. Deshalb ist eine intersektionale Perspektive auf Förderung besonders wichtig.
Für uns als MINT-Akteur:innen bedeutet das:
Wer mathematische Identität stärken will, muss früh ansetzen und kontinuierlich Räume schaffen, in denen vielfältige Erfahrungen mit Mathematik möglich sind. Dazu braucht es klischeefreie Lernumgebungen, eine inklusive Sprache und vielfältige Vorbilder – sowohl zuhause als auch in der Schule. Eltern und Schule haben einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung mathematischer Identität bei Mädchen: Sie sollten sie gezielt in ihrem mathematischen Können bestärken und Rückmeldungen geben, die ihre Anstrengungen würdigen und ihren Fortschritt betonen, nicht vermeintliches Talent.
Um ihr Interesse in MINT entfalten zu können, brauchen Mädchen Strukturen, in denen sie sich zugehörig fühlen und ihre mathematische Identität entwickeln können.
Fernandez, F., Froschl, M., Lorenzetti, L., & Stimmer, M. (2024). Investigating the importance of girls’ mathematical identity within United States STEM programmes: A systematic review. International Journal of Mathematical Education in Science and Technology, 55(3), 650–690. https://doi.org/10.1080/0020739X.2021.2022229
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