Leistung ist nicht immer entscheidend 

Wie Mädchen und Jungen MINT-Unterricht wahrnehmen

08. Juli 2026 Lesedauer: ca. 3 min
Gender
3 Mädchen, die vor einem Mikroskop sitzen. Ein Mädchen schaut hinein, die anderen schauen zu.

Die Ursachen für die Unterrepräsentation von Mädchen im MINT-Bereich, wie Sozialisierung und Stereotype, sind vielfältig und breit erforscht. Es gibt jedoch zunehmend weitere Hinweise darauf, wie Erfahrungen im MINT-Unterricht einen Einfluss auf die Beteiligung von Mädchen und Jungen in MINT haben.  

Die Studie von Ketscher et al. (2025) geht insbesondere der Frage nach, wie Schüler:innen den MINT-Unterricht wahrnehmen. Basierend auf diesen Ergebnissen soll langfristig erforscht werden, wie sich dies auf das Engagement und die Leistung von Schüler:innen im MINT-Bereich auswirkt. Durch eine Online-Befragung von 8. Klässler:innen an deutschen Schulen wurden die Wahrnehmungen des MINT-Unterrichts gemessen und die Leistungen der Jugendlichen in den MINT-Fächern erfasst. 

Der DIAMONDS-Ansatz 

Dabei greift die Untersuchung auf den sogenannten DIAMONDS-Ansatz zurück. Dieses ist ein Analyseinstrument, um die Wahrnehmung von Situationen zu benennen und zu messen. Der Ansatz umfasst folgende Kategorien: Duty, Intellect, Adversity, Mating, Positivity, Negativity, Deception und Sociality. Situationen beinhalten demnach stets unterschiedliche Anteile all dieser Dimensionen, welche sich im Kontext der MINT-Bildung im weiteren Sinne mit Pflichterfüllung, (intellektueller) Anstrengung, Widrigkeiten (bspw. Kritik), Verliebtsein, Wohlfühlen, Unwohlfühlen, Getäuscht werden und Zusammenarbeit übersetzen lassen können.

Unwohlfühlen wird beispielsweise dadurch gemessen, dass die Jugendlichen die Aussage „Im MINT-Unterricht habe ich negative Gefühle (z.B. Stress, Angst, Schuld etc.)“ auf einer Skala von 1 (trifft überhaupt zu) bis 7 (trifft völlig zu) bewerten. Anhand der selbst berichteten Noten in den einzelnen MINT-Fächern wurden die Schüler:innen zudem in drei Leistungsgruppen eingeteilt: die leistungsstärkeren 10 %, die mittleren 80 % und die unteren 10 %.  

Die Ergebnisse zeigen: 

Auffällig ist, dass Jungen grundlegend höhere Werte bei dem Aspekt des Wohlfühlens und niedrigere Werte bei negativen Aspekten wie „Unwohlfühlen“ und „Getäuscht werden“ angeben. Insgesamt nehmen die leistungsstärksten Schüler:innen beider Geschlechter den MINT-Unterricht positiver wahr als die anderen Jugendlichen. 

Klassenzimmer sind nicht nur Orte des Lernens, sondern auch Orte emotionaler Erfahrungen. 

Für den Erfolg eines MINT-Bildungsangebots ist es somit ausschlaggebend, dass alle Beteiligten – insbesondere auch Mädchen und leistungsschwächere Personen – zufrieden sind und positive Erfahrungen sammeln können. Eine bewusste Gestaltung von MINT-Lernräumen kann hierbei besonders wichtig sein.  

Die Studie stammt aus dem Forschungsprojekt FösaMINT, das von der Universität Regensburg und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unter der Leitung von Prof. Dr. Heidrun Stöger und Prof. Drs. Albert Ziegler durchgeführt wird. durchgeführt wird. Ziel ist es, fundierte Empfehlungen für die Gestaltung schulischer und außerschulischer MINT-Angebote zu entwickeln – mit besonderem Fokus auf Chancengleichheit und Gendergerechtigkeit.  

Ansprechperson: Lukas Ketscher  | E-Mail: lukas.ketscher@fau.de 

Ketscher, L., Stoeger, H., & Ziegler, A. (2025). Classrooms Through the Eyes of High Achievers: Gender Differences in Situational Experiences Based on the DIAMONDS Framework. Journal of Advanced Academics37(1), 74-97. https://doi.org/10.1177/1932202X251396238 

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MINT & Gender

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