MINT gleich Mathematik?
Was Jugendliche mit MINT verbinden und wie es sich auf ihren Bildungsweg auswirkt
Was verbinden Schüler:innen mit MINT? Denken sie tatsächlich an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik? Nicht alle, zeigt eine Studie von Stoeger et al. (2025). Sie finden auch: Was Jugendliche mit dem MINT-Akronym assoziieren, wirkt sich darauf aus, welchen Bildungsweg sie einschlagen.
In der Studie wurden 1163 Schüler:innen zwischen 12 und 16 Jahren in Deutschland befragt, ob sie das Akronym MINT kennen, und für was es ihrer Meinung nach steht. Um die Stärke der Assoziation mit den einzelnen MINT-Bereichen zu messen, sollten die Schüler:innen Mathematik, Physik, Informatik, Biologie, Chemie und Ingenieurwesen von „verbinde ich am ehesten mit MINT“ zu „verbinde ich am wenigsten mit MINT“ ordnen. Anschließend sollten sie Fragen zu ihren eigenen Wertvorstellungen beantworten, etwa zum wahrgenommenen Nutzen, zur persönlichen Bedeutung und zum erwarteten Aufwand im Zusammenhang mit MINT. Darüber hinaus wurde untersucht, inwiefern diese Einstellungen mit späteren Berufsvorstellungen und der Wahl naturwissenschaftlich-technischer Profile in der Schule zusammenhängen.
Das zentrale Ergebnis:
Die Bekanntheit des Akronyms liegt mit 72% deutlich höher als in früheren Untersuchungen. Obwohl Mädchen häufiger als Jungen wissen, wofür MINT steht, entscheiden sie sich trotzdem nicht häufiger für MINT.
Zudem zeigen sich Geschlechterunterschiede in der Assoziation: Mädchen denken bei MINT eher an Biologie, Chemie und Physik, während Jungen MINT häufiger mit Informatik und Ingenieurwesen assoziieren. Diese Assoziationen wirken sich auf die Bildungsentscheidungen aus. Einen Sonderstatus hat dabei Mathematik: Sowohl Mädchen als auch Jungen verbinden das Fach besonders stark mit dem MINT-Bereich, schätzen es aber auch als besonders aufwendig ein.
Das Label „MINT“ ist also kein neutraler Überbegriff und nicht alle Schüler:innen wissen, wofür es steht. Deshalb sollte dies bei der Bewerbung von Bildungsangeboten berücksichtigt werden: Statt pauschal für MINT zu werben, kann es sinnvoll sein, gezielt einzelne Bereiche anzusprechen. Wer Mädchen vor allem mit Biologie und Jungen mit Informatik anspricht, läuft Gefahr, die bestehenden Unterschiede noch zu verstärken.
- Wie Ihr Schüler:innen gezielt ansprecht, lest Ihr in unserem Blogbeitrag zum Thema „Sense of Belonging“
- Außerdem findet Ihr hier von unserem Schwesterprojekt MesH_MINT 10 Fakten zum Thema „Sense of Belonging“
Stoeger, H., Beer, A. L., & Ziegler, A. (2025). Students’ associations with the STEM acronym and their impact on value beliefs and STEM choices. Annals of the New York Academy of Sciences. Advance online publication. https://doi.org/10.1111/nyas.70018
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