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MINT-Förderung von Mädchen

Was läuft gut - was geht noch besser?

31. März 2023 Lesedauer: ca. 5 min
Gender
Vernetzung
Pexels/fauxels

Im November 2022 haben wir deutschlandweit Anbieter:innen von MINT-Bildungsangeboten befragt. Wir wollten herausfinden, inwiefern Ihr in Euren Angeboten Aspekte berücksichtigt, die für eine nachhaltige MINT-Förderung von Mädchen und jungen Frauen wichtig sind. Mit Eurer Teilnahme an der Befragung habt Ihr uns sehr unterstützt – vielen Dank dafür! Mit diesem Beitrag findet Ihr erste Ergebnisse und Erkenntnisse daraus.

Immer mehr weibliche MINT-Rollenmodelle

Unser erstes Ergebnis ist ein sehr erfreuliches: Die MINT-Bildungsanbieter:innen, die an der Befragung teilgenommen haben, sind sehr engagiert im Bereich MINT-Förderung für Mädchen und Frauen. Sie stimmen vor allem der Aussage zu, dass sie ihren Teilnehmerinnen geeignete weibliche MINT-Rollenmodelle zur Verfügung stellen – ein sehr wichtiger Aspekt, um Mädchen und junge Frauen für diese Berufsfelder zu gewinnen. Aber Moment mal – was sind denn eigentlich geeignete weibliche MINT-Rollenmodelle? Hier könnt Ihr nachlesen, wie Ihr in Euren Angeboten weibliche MINT-Rollenmodelle miteinbezieht.

Verbesserungspotentiale

Die Befragten gaben auch an, einige Punkte noch nicht ausreichend bei der Umsetzung ihrer MINT-Bildungsangebote zu berücksichtigen. Im Sinne einer nachhaltigen MINT-Förderung für Mädchen zeigen sich hier verschiedene Verbesserungspotentiale. Vor allem zwei Aspekte sind von besonderer Bedeutung: das Einbeziehen möglichst vieler Lebensbereiche der Mädchen sowie die Langfristigkeit der Förderung.

Möglichst viele Lebensbereiche einbeziehen

Häufig erleben Mädchen in mehreren Lebensbereichen, dass ihr Interesse für MINT nicht wertgeschätzt wird. Das kann dazu führen, dass die Förderwirkung einzelner MINT-Bildungsangebote verpufft.3 Wenn ein Mädchen beispielsweise nachmittags eine gelungene Interessensförderung in einem MINT-Workshop erhält, sich danach aber mit ihrem Freundeskreis trifft, der MINT nicht so toll findet, dann können sich die positiven Effekte des Workshops verflüchtigen. Auch die Lieblingsfernsehserie am Abend, in der nur Männer als Informatiker und Ingenieure dargestellt werden, kann eine ähnliche Wirkung erzielen.

Deshalb ist es wichtig, möglichst viele Lebensbereiche der Mädchen in die Förderung miteinzubeziehen. In Euren Angeboten könnt Ihr beispielsweise:

  • Eltern mit an Bord holen. Zum Beispiel durch Elternabende, Mitmachworkshops oder Handreichungen.
  • Teilnehmende Mädchen dazu ermutigen, ihre beste Freundin mitzunehmen. So könnt Ihr zusätzlich den Freundeskreis einbinden.

Wenn das im Rahmen Eurer Angebote nicht möglich ist, könnt Ihr Euch gezielt mit Anbieter:innen vernetzen, die in ihren Konzepten weitere Lebensbereiche der Mädchen berücksichtigen, und Eure Teilnehmerinnen darauf aufmerksam machen. Auch geeignete Kooperationen zwischen schulischen und außerschulischen MINT-Bildungsmaßnahmen sorgen für eine nachhaltige MINT-Förderung von Mädchen.

Langfristig fördern

Das MINT-Interesse nimmt vor allem bei Mädchen spätestens im Jugendalter ab.1 Um es aufrechtzuerhalten, spielen außerschulische MINT-Bildungsangebote eine wichtige Rolle. Denn sie können einzigartige Maßnahmen und Ressourcen bieten, die über die Möglichkeiten der vorgesehenen Schulzeit hinausgehen.2 Allerdings ist der Besuch eines einzelnen Angebots nicht ausreichend. Die Wirkung kann sehr schnell ins Leere laufen, wenn die Mädchen danach wieder in ihre gewohnte Umwelt zurückkehren, in der sie weiterhin mit stereotypen Einflüssen konfrontiert sind. Um das MINT-Interesse der Mädchen positiv zu beeinflussen, ist es deshalb wichtig, dass die Förderung möglichst früh beginnt. Außerdem sollte sie nicht nur punktuell stattfinden, sondern beständig sein.

Wie können wir das erreichen?

In Euren Angeboten könnt Ihr unter anderem darauf achten, Eure Teilnehmerinnen auf ihrem MINT-Weg möglichst lange zu begleiten, indem Ihr beispielsweise auch Aufbaukurse anbietet. Habt Ihr diese Möglichkeiten nicht, dann vernetzt Euch mit MINT-Bildungsangeboten, die sich zum Beispiel an höhere Altersstufen richten. So könnt Ihr Teilnehmerinnen auf weiterführende Angebote aufmerksam machen.

Die geeignete Vernetzung von MINT-Bildungsangeboten ist also von besonderer Bedeutung, um Synergien entstehen zu lassen und nachhaltige Fördereffekte für Mädchen und junge Frauen zu erzielen.

Eine sehr gute Gelegenheit, Euch stärker miteinander zu vernetzen, bietet das MINTcafé Gender! Das nächste Café findet am 25. Mai 2023 statt. Eine Anmeldung ist bereits jetzt über unsere Community-Plattform möglich. Weitere interessante Termine findet Ihr auf unserer Homepage oder in unserem Newsletter. Wir freuen uns auf Euch!

Hier findet Ihr die oben genannte Literatur:

1 Frenzel, A. C., Goetz, T., Pekrun, R., & Watt, H. M. G. (2010). Development of mathematics interest in adolescence: Influences of gender, family, and school context. Journal of Research on Adolescence, 20(2), 507–537. https://doi.org/10.1111/j.1532-7795.2010.00645.x

2 Young, J. R., Ortiz, N., & Young, J. L. (2016). STEMulating interest: A meta-analysis of the effects of out-of-school time on student STEM interest. International Journal of Education in Mathematics, Science and Technology, 5(1), 62–74. https://files.eric.ed.gov/fulltext/EJ1124815.pdf

3 Ziegler, A., Reutlinger, M., & Hering, E. M. (2012). Soziotope als konstitutive Rahmenbedingungen der MINT-Förderung von Mädchen und Frauen. In: H. Stöger, A. Ziegler & M. Heilemann (Hrsg.), Mädchen und Frauen in MINT: Bedingungen von Geschlechtsunterschieden und Interventionsmöglichkeiten (S. 229–247). Münster: LIT.

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