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Rechtzeitig beginnen!

Frühkindliche MINT-Bildung für Mädchen

08. April 2024 Lesedauer: ca. 7 min
Gender
Teilhabe
Canva/corelens

Um das MINT-Interesse von Mädchen positiv zu beeinflussen, ist es wichtig, dass eine langfristige Förderung entlang der Bildungskette erfolgt. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, so früh wie möglich mit der Förderung zu beginnen. Deshalb nehmen wir in diesem Beitrag das Thema „Frühkindliche MINT-Bildung für Mädchen“ in den Fokus. Ihr erfahrt mehr zu den Hintergründen und erhaltet praxisnahe Tipps zu bewährten Ansätzen und Methoden. 

Warum ist eine möglichst frühzeitige MINT-Förderung für Mädchen von entscheidender Bedeutung? 

Forschungsergebnisse zeigen, dass vor allem bei Mädchen spätestens im Jugendalter das Interesse an bestimmten MINT-Fächern, wie beispielsweise Technik und Ingenieurwesen, abnimmt.1, 2 Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, möglichst frühzeitig mit einer geeigneten Förderung zu beginnen. Zudem machen Kinder bereits früh die Erfahrung, dass die Kategorie Geschlecht eine bedeutende Rolle in ihrer sozialen Umwelt spielt,3 und beginnen zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr geschlechtstypische Vorlieben für Spielsachen und Aktivitäten zu entwickeln.4 Das wird besonders im Vorschul- und frühen Grundschulalter deutlich, wenn sie dazu neigen, Spielpartner:innen des gleichen Geschlechts zu bevorzugen. Während dieser Entwicklungsphase gewinnen Kinder auch schnell ein bewusstes Verständnis von Geschlechterstereotypen.4 

Problematisch sind hierbei vor allem stereotype Vorstellungen über den MINT-Bereich. Dass sich diese Vorstellungen bereits in einem frühen Alter entwickeln, verdeutlichen Forschungsergebnisse zur Analyse von Kinderzeichnungen. So untersuchte eine Meta-Analyse 30 Studien, die den sogenannten Draw-a-Scientist-Test zwischen 2003 und 2018 einsetzten. Dabei zeigte sich, dass 64 % der Kinder einen männlichen Wissenschaftler zeichneten, was sich als eines der beständigsten Stereotype über Wissenschaftler:innen erwies.5 

Um also das MINT-Interesse bei Mädchen langfristig aufrechtzuerhalten und vielfältige Vorstellungen zum MINT-Bereich zu fördern, spielt die frühkindliche MINT-Bildung als erste Stufe in der MINT-Bildungskette eine besonders wichtige Rolle.6 

Welche Ansätze und Methoden zur frühkindlichen MINT-Bildung für Mädchen gibt es? 

Im Folgenden findet Ihr einige Hinweise und Tipps, wie Ihr Mädchen darin unterstützen könnt, ihre MINT-Talente von Anfang an frei von Geschlechterstereotypen zu entfalten. 

  • Bewusstsein schaffen: Für nachhaltige Veränderungen ist es wichtig, pädagogische Fachkräfte in Kindergärten, Schulen und außerschulischen MINT-Bildungsangeboten für ihre wichtige Rolle in der frühkindlichen MINT-Bildung für Mädchen zu sensibilisieren.7 

    Tipp: geeignete Fortbildungsangebote wie beispielsweise der Online-Kurs „Jedes Kind kann MINT! Klischeefrei forschen“ von der „Stiftung Kinder forschen“.  

  • Rollenvorbilder einbinden: Rollenmodelle können Einstellungen und Stereotype verändern, das Selbstkonzept stärken und Wahlentscheidungen in MINT positiv beeinflussen.8, 9 Es ist wichtig, schon jungen Mädchen geeignete weibliche Rollenvorbilder aus verschiedenen MINT-Bereichen zur Verfügung zu stellen, die über ihre Erfahrungen sprechen und zeigen, dass auch sie in MINT erfolgreich sein können. 

    Tipp: Dieses Video zeigt sehr eindrucksvoll, welchen Einfluss Rollenmodelle auf stereotype Vorstellungen bei Kindern haben können. 

  • Klischeefreie Medien anbieten: Medien wie Schul-, Kinder- und Jugendbücher spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Kindern. Eine aktuelle Studie zeigt beispielsweise, dass das Lesen von Geschichten, deren Hauptfiguren nicht den gängigen Klischees entsprechen, stereotype Vorstellungen abschwächt, wie zum Beispiel, dass Mathematik nur etwas für Jungen sei.10  

    Tipp: Das Methodenset „Klischeefrei fängt früh an“ von der „Initiative Klischeefrei“, das sich an Kita-Fachkräfte richtet, beinhaltet auch ein „Mein großes Berufe-Wimmelbuch“. Die Protagonist:innen entsprechen gezielt nicht den Stereotypen – so arbeitet Rico beispielsweise als Pfleger und Sarah als Baggerfahrerin. 

  • Positive und motivierende Erfahrungen mit MINT ermöglichen: Es kann eine Herausforderung sein, Mädchen den Zugang zu MINT-Themen in freien Lern- und Spielumgebungen zu ermöglichen, da Bau- und Konstruktionsbereiche beispielsweise oft bereits von Jungen beansprucht werden. 

    Tipp: Eine vielversprechende Möglichkeit bieten hier sogenannte Conceptual Playworlds: Dabei handelt es sich um ein von der pädagogischen Fachkraft geleitetes Spielszenario, in dem Kinder gemeinsam Abenteuer erleben und MINT-bezogenen Aufgaben und Herausforderungen nachgehen können. Durch dieses Konzept wird der Fokus auf die Entwicklung von MINT-Kompetenzen gelegt, und die Kinder erhalten einen sozialen Anreiz, sich mit MINT-Themen zu beschäftigen, was besonders für Mädchen motivierende Bedingungen schafft.11 Weitere Informationen zu Conceptual Playworlds für Mädchen in MINT findet Ihr beispielsweise in diesem kurzen Video. 

Wenn Ihr Euch zum Thema „Frühkindliche MINT-Bildung für Mädchen“ austauschen und vernetzen möchtet, bietet Euch das kommende MINTcafé Gender am 16. Mai 2024, 12:30–14:00 Uhr die ideale Gelegenheit dazu! Hier auf unserer Community-Plattform könnt Ihr Euch zum Café anmelden. Weitere Termine findet Ihr auf unserer Website oder in unserem Newsletter. Wir freuen uns auf Euch! 

1 Frenzel, A. C., Goetz, T., Pekrun, R., & Watt, H. M. G. (2010). Development of mathematics interest in adolescence: Influences of gender, family, and school context. Journal of Research on Adolescence20(2), S. 507–537. 
https://doi.org/10.1111/j.1532-7795.2010.00645.x.  

2 Babarović, T. (2022). Development of STEM vocational interests during elementary and middle school: A cohort-sequential longitudinal study. Journal of Career Development49(6), S. 1230–1250. 
https://doi.org/10.1177/08948453211036986.  

3 Hannover, B., & Wolter, I. (2019). Geschlechtsstereotype: wie sie entstehen und sich auswirken. In B. Kortendiek, B. Riegraf & K. Sabisch (Hrsg.), Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung (S. 201–210). Wiesbaden: Springer. 

4 Eckes, T. (2008). Geschlechterstereotype: Von Rollen, Identitäten und Vorurteilen. In R. Becker & B. Kortendiek (Hrsg.), Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung (S. 171–182). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. 
https://doi.org/10.1007/978-3-531-91972-0_20.  

5 Ferguson, S. L., & Lezotte, S. M. (2020). Exploring the state of science stereotypes: Systematic review and meta‐analysis of the Draw‐A‐Scientist Checklist. School Science and Mathematics120(1), S. 55–65. 
https://doi.org/10.1111/ssm.12382.  

6 Hachey, A. C. (2020). Success for all: Fostering early childhood STEM identity. Journal of Research in Innovative Teaching & Learning13(1), S. 135–139. 
https://doi.org/10.1108/JRIT-01-2020-0001

7 Budde, J., & Blasse, N. (2015). Addressing gender in the education of teachers: Dramatizing versus dedramatizing approaches. Journal of Modern Education Review5(3), S. 213–217. 
https://doi.org/10.15341/jmer(2155-7993)/03.05.2015/001.  

8 Gladstone, J. R., & Cimpian, A. (2021). Which role models are effective for which students? A systematic review and four recommendations for maximizing the effectiveness of role models in STEM. International Journal of STEM Education, 8(1), S. 59. 
https://doi.org/10.1186/s40594-021-00315-x.  

9 Stöger, H. (2007). Förderung von Selbstvertrauen, selbst wahrgenommener Eignung für verschiedene Studienfächer, Interessen und Wahlverhalten durch Rollenmodelle. In P. Ludwig & H. Ludwig (Hrsg.), Erwartungen in himmelblau und rosarot – Effekte, Determinanten und Konsequenzen von Geschlechterdifferenzen in der Schule (S. 157–173). Weinheim: Juventa. 

10 Block, K., Gonzalez, A. M., Choi, C. J. X., Wong, Z. C., Schmader, T., & Baron, A. S. (2022). Exposure to stereotype-relevant stories shapes children’s implicit gender stereotypes. PLOS ONE17(8), e0271396. 
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0271396

11 Stephenson, T., Fleer, M., & Fragkiadaki, G. (2022). Increasing girls’ STEM engagement in early childhood: Conditions created by the Conceptual PlayWorld model. Research in Science Education52(4), S. 1243–1260. 
https://doi.org/10.1007/s11165-021-10003-z

Ansprechpartner:innen

Dr. Michael Heilemann

MINT & Gender

Susanne Schober

MINT & Gender

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