MINT-Stimmungsbarometer 2025
MINT-Stimmungsbarometer 2025
Trendwende in der Qualität der MINT-Bildung?
Die Einschätzung der Qualität der MINT-Bildung ist von 2022 bis 2024 kontinuierlich gesunken. In der diesjährigen Befragung wird sie in fast allen Bildungsbereichen wieder positiver bewertet. Die Trendumkehr ist vor allem bei der außerschulischen Bildung sichtbar. Lediglich bei der beruflichen Bildung setzt sich die negative Einschätzung fort.
Trotz der insgesamt positiven Entwicklung bleibt ein bekanntes Muster bestehen: Die frühe MINT-Bildung – also im Vorschul- und Schulbereich – wird nach wie vor deutlich kritischer bewertet als die berufliche und akademische Bildung. An der Spitze steht erneut der Hochschulbereich: 86 Prozent der Befragten schätzen die Qualität dort als “sehr gut”/”eher gut” ein.
Die Qualität der MINT-Bildung in Deutschland wird im internationalen Vergleich als unzureichend beurteilt
Mehr als zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, dass der Stand der MINT-Bildung in Deutschland hinter dem anderer Industrienationen zurückbleibt. Doch der positive Trend in der MINT-Stimmung spiegelt sich auch bei dieser Frage wider. Im internationalen Vergleich wird Deutschland etwas positiver bewertet als in den Vorjahren 2024 und 2023. 2024 hatten noch 77 Prozent der Befragten Deutschland als schlechter bewertet, während es dieses Jahr 71 Prozent sind.
Das MINT-Engagement der Wirtschaft wird als das höchste wahrgenommen
Fast zwei Drittel der Befragten sagen, dass sich Unternehmen und Verbände besonders stark für die MINT-Bildung engagieren. Ganz anders sieht es bei der Politik aus. Bereits in den vergangenen Erhebungen wurde das politische Engagement für die MINT-Bildung im Vergleich zu den Bereichen Zivilgesellschaft und Wirtschaft negativ bewertet. Die diesjährige Einschätzung fällt jedoch noch einmal schlechter aus: 85 Prozent der Befragten schätzen das Engagement der Politik als “niedrig” oder “sehr niedrig” ein. Insgesamt wird das Engagement aller drei Bereiche dieses Jahr kritischer bewertet. Besonders auffällig ist der Rückgang bei der Wahrnehmung zivilgesellschaftlicher Bemühungen. Lediglich rund die Hälfte der Befragten erkennt hier ein hohes Engagement. Dies ist ein Rückgang von 20 Prozentpunkten gegenüber 2022 und das bisher niedrigste Ergebnis.
Die Meinungen zur MINT-Freundlichkeit Deutschlands gehen auseinander
Wie bereits im Vorjahr fällt die Einschätzung der MINT-Freundlichkeit geteilt aus. Etwa die Hälfte der Befragten stimmt der Aussage zu, dass Deutschland als MINT-freundliches Land betrachtet werden kann. Dabei schätzen die Befragten aus dem außerschulischen Bildungsbereich die MINT-Freundlichkeit als etwas höher ein. Befragte aus dem schulischen Bereich zeigen sich in ihrer Beurteilung kritischer.
MINT-Forschung erneut als größte Stärke Deutschlands bewertet
Die MINT-Forschung hat sich auch in diesem Jahr wieder an die Spitze der wahrgenommenen Stärken im deutschen MINT-Bereich gesetzt. Betrachtet man nur die Befragten aus Kommunen und Unternehmen, bewerten diese das duale Bildungssystem als größte Stärke für MINT in Deutschland. Die Breitenförderung von MINT-Bildung wird von allen gleichermaßen als größte Schwachstelle empfunden. Dieser Bereich wurde überwiegend als letzter genannt.
Gezielte Förderung von Kooperationen und Präsenztreffen für eine bessere Verzahnung
Regelmäßige MINT-Projekttage an Schulen gelten unter den Befragten als vielversprechendste Maßnahme zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen schulischen und außerschulischen Bildungsakteur:innen. Dicht dahinter sehen knapp 9 von 10 Befragten in einer gezielten finanziellen Förderung von Kooperationen einen entscheidenden Hebel, um Schule und außerschulische Bildung besser zu verzahnen. Noch deutlicher wird diese Einschätzung, wenn man die Antworten aus dem schulischen und außerschulischen Bildungsbereich betrachtet: 56 Prozent der Befragten aus dem schulischen Bereich und 62 Prozent aus dem außerschulischen Bereich bewerten diesen Punkt als besonders wirkungsvoll.
Auch gemeinsame Fortbildungen, etwa zur Integration außerschulischer MINT-Angebote in den Schulalltag, stoßen auf breite Zustimmung: 85 Prozent halten sie für förderlich für die Zusammenarbeit zwischen schulischen und außerschulischen Bildungsakteur:innen. Im Vergleich dazu wird eine gemeinsame digitale Plattform für Austausch und Qualitätszertifikate für außerschulische Lernangebote als weniger entscheidend bewertet.
Schulische und außerschulische MINT-Bildungsakteur:innen erwarten Unterstützung durch Hochschulen
Die Erwartungen von schulischen und außerschulischen MINT-Bildungsakteur:innen an die Hochschulen sind groß: Drei Viertel der außerschulischen und 59 Prozent der schulischen Akteur:innen stimmen der Aussage voll zu, dass Hochschulen verbindlicher gemeinsame Bildungsprojekte durchführen sollten, um so außerschulisch-schulische Kooperationen zu unterstützen. Auch einer verbindlicheren Unterstützung durch Hochschulen bei der Berufs- und Studienorientierung stimmen fast alle schulisch-außerschulischen Befragten zu.
Bei der Frage nach der verbindlicheren Bereitstellung von Ressourcen weichen die Prioritäten zwischen den Befragten voneinander ab: Während insbesondere die Schulen sich hier mehr Unterstützung wünschen, zeigen sich die Hochschulvertreter:innen zurückhaltender.
In einer offenen Frage, in der die Antworten spezifiziert werden konnten, verwiesen Befragte häufig darauf, dass die bereits bestehenden Maßnahmen von Seiten der Hochschulen stark vom persönlichen Engagement Einzelner abhängen. Erst durch die gezielte Finanzierung solcher Kooperationsarbeit sei ein verbindliches Umsetzen der Maßnahmen möglich.
Außerschulische Akteur:innen suchen inhaltliche Unterstützung von Unternehmen – Schulen eher Ressourcen
Bei der Frage, welche Maßnahmen Unternehmen verbindlicher umsetzen sollten, sind sich außerschulische Akteur:innen und Unternehmensvertreter:innen einig. Sie sehen vor allem in einer ideellen Unterstützung durch Unternehmen bei der Berufs- und Studienorientierung und der Durchführung gemeinsamer MINT-Bildungsprojekte bislang nicht ausgeschöpftes Potenzial. Eine höhere Verbindlichkeit hierbei wünschen sich besonders die außerschulischen Akteur:innen, was die hohen Zustimmungswerte unterstreichen.
Schulen dagegen setzen andere Prioritäten: Sie wünschen sich von Unternehmen vor allem eine verbindlichere Finanzierung von MINT-Bildungsprojekten sowie das Bereitstellen von Ressourcen für den Unterricht. Hier weicht die Einschätzung der Unternehmen deutlich ab. Während 70 bzw. 62 Prozent der schulischen Akteur:innen in den beiden Punkten voll zustimmen, tun dass nur 32 bzw. 24 Prozent der Befragten aus Unternehmen.
Schulen wünschen sich eigenes Budget und Personal für die Umsetzung von Kooperationen
Bei Maßnahmen, die die Politik und Verwaltung zur Unterstützung schulisch-außerschulischer MINT-Bildungskooperationen schaffen oder verbindlicher fördern sollten, zeigt sich vor allem bei den außerschulischen Befragten ein klares Bild: Mehr als 90 Prozent stimmen voll zu, dass Politik und Verwaltung sich stärker dafür einsetzen sollten, ein Budget allein zum Zweck der Förderung solcher Kooperationen zu schaffen. Auch unter den Befragten aus Politik/Verwaltung und Schule erhält dieser Vorschlag die größte Zustimmung.
Darüber hinaus fordern schulische Vertreter:innen mit ähnlich hoher Zustimmung eine verbindlichere Förderung von Personalstellen für die Koordination von Kooperationen sowie den flächendeckenden Aufbau entsprechender Koordinierungsstrukturen. Diese Forderungen finden jedoch bei den Befragten aus Politik und Verwaltung deutlich weniger Resonanz. Diese beiden Punkte erhielten in dieser Gruppe die geringste Zustimmung.
Dagegen wird die Bereitstellung von Musterverträgen zur Vereinfachung schulisch-außerschulischer Kooperationen von Politik und Verwaltung nahezu einhellig befürwortet. Auch die Befragten an Schulen sehen darin ein hilfreiches Instrument. Außerschulische Bildungsakteur:innen hingegen schätzen diesen Beitrag als weniger entscheidend ein.
Am deutlichsten sehen die Befragten die Zukunftsfähigkeit Deutschlands im Bereich KI und Digitalisierung bedroht
Die meisten Befragten sind sich einig: Deutschlands Zukunftsfähigkeit ist durch den Mangel an MINT-Fachkräften im Bereich KI und Digitalisierung besonders gefährdet. Dieser Punkt wurde von fast drei Viertel der Befragten genannt. Auch MINT-Bereiche, die für eine nachhaltige Transformation Deutschlands entscheidend sind, wie Technologien für nachhaltige Entwicklung, Energiesicherheit, Cybersicherheit oder Industrie 4.0, wurden von einem Großteil der Befragten als Risikobereiche eingeschätzt. Das verhältnismäßig geringste Risiko dafür, dass der Fachkräftemangel den Weg zu einer höheren Zukunftsfähigkeit behindert, wird in den Bereichen Mobilität und Gesundheitsforschung gesehen.
Betrachtet man die Angaben aus dem Bereich Wirtschaft, wird eine stärkere Bedrohung der Zukunftsfähigkeit in den Bereichen Cybersicherheit (80 Prozent) und Biotechnologie/Gesundheitsforschung (61 Prozent) wahrgenommen. Mit 87 Prozent Zustimmung wird die stärkste Bedrohung der Zukunftsfähigkeit durch den MINT-Fachkräftemangel auch dem Bereich KI und Digitalisierung zugeschrieben.
MINT-Bildungsangebote sind nicht ausreichend auf den Arbeitsmarkt abgestimmt
Mehr als jede dritte befragte Person ist der Meinung, dass MINT-Bildungsangebote nur schlecht oder sehr schlecht auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes abgestimmt sind. Der Großteil der Befragten (62 Prozent) ist der Meinung, dass die MINT-Bildung den Anforderungen des Arbeitsmarkts zumindest ausreichend gerecht wird.
Betrachtet man die Angaben aus dem Bereich Wirtschaft, ändert sich dieses Bild. Hier findet nicht einmal einer von zehn Befragten, dass die MINT-Bildung den Anforderungen des Arbeitsmarkts entspricht und insgesamt 55 Prozent bewerten die Abstimmung auf Arbeitsmarktbedarfe als schlecht oder sehr schlecht.
Schulen sollen digitale und technische Fähigkeiten für das weitere Leben vermitteln
Die Befragten sind sich bei den Lösungsansätzen einig: Für eine bessere Ausrichtung der MINT-Bildung auf den Arbeitsmarkt ist es am wichtigsten, dass Schulen digitale und technische Fähigkeiten als Grundlage für die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt vermitteln. Unter den weiteren Maßnahmen hebt sich keine besonders deutlich heraus. In den Antworten zeigt sich eher, dass sich die MINT-Bildung stärker an der Realität der MINT-Arbeitswelt orientieren sollte, beispielsweise durch eine inhaltliche Abstimmung, einen höheren Praxisbezug und eine Ausrichtung an der interdisziplinären Arbeitswelt. Bei der Vermittlung von Zukunftskompetenzen in Ausbildung und Studium herrscht die größte Uneinigkeit – diese Maßnahme wurde von 30 Prozent als unwichtigste beurteilt. Bei fast genauso vielen Befragten landet die Maßnahme dagegen auf Platz eins oder zwei.
Erfolgreiche MINT-Bildung durch bessere Grundlagenvermittlung, innovative Didaktik und ein positiveres MINT-Image
Die Vielzahl der Ideen macht deutlich: Es gibt nicht die eine Patentlösung, sondern es wird das Ineinandergreifen vieler Maßnahmen brauchen, um die MINT-Bildung zukunftsfähig zu gestalten.
Als wichtigste Veränderung hin zu einer besseren MINT-Bildung wurde am häufigsten eine bessere Vermittlung der MINT-Grundlagen in der Schule genannt. Auch eine verstärkte Bereitstellung finanzieller und materieller Ressourcen wurde von vielen Befragten als zentraler Schlüssel für eine erfolgreiche MINT-Bildung angesehen.
Neben diesem Fundament der Bildungsförderung wurde das negative Image, das MINT im öffentlichen Diskurs oft anhaftet, fast genauso häufig thematisiert. Eine neue Wahrnehmung von MINT als zugängliche und gleichzeitig zukunftsfähige Disziplin wurde als eine der wichtigsten nötigen Veränderungen für eine erfolgreiche MINT-Bildung der Zukunft beschrieben.
Auch Mut in der Didaktik – beispielsweise eine zukunftsorientierte, praktischere Ausrichtung der Schule und die Stärkung spielerischer Ansätze, die Spaß an MINT vermitteln – wurde von den Befragten sehr häufig als wichtigste Veränderung für die zukünftige MINT-Bildung genannt.
Information zur Datenerhebung und Methodik
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MINT-Stimmungsbarometer 2025
Hier können die Ergebnisse des MINT-Stimmungsbarometers 2025 als PDF heruntergeladen werden.
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